Mützen-Varieté
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Dhampir – Fangzähne des Guten

von am 08. Dez 2010, unter deutsche Bücher, Rezensionen

Magiere und ihr Freund der Halbelf Leesil verstehen ihr Handwerk, wissen was sie tun. Sie helfen abergläubischen Dörfern im Kampf gegen das Böse, Übernatürliche, zumindest sehen sie es so. Wieder sind sie in einem Dorf und Magiere redet mit dem Dorfältesten und verhandelt ihren Preis. Sie soll das Dorf befreien und schon bald macht sie sich ans Werk. Es kommt wie immer, das Wesen erscheint und Magiere ringt es theatralisch nieder und verschwindet mit dem Toten in den Wald. Doch wie immer ist es nur Leesil verkleidet als Gegner und wie immer haben sie ein Dorf ärmer gemacht. Dies läuft nun schon seit paar Jahren so und beide sowei ihr treuer Hund Chap, Lessils Zögling aus dessen Heimat, reisen quer durch die Lande um ihr Spiel zu spielen. Doch diesmal läuft es anders, denn in dem Dorf gab es tatsächlich einen Vampir, der Magiere als Jägerin ausmacht und ihr Lager in der Nacht angreift. Doch er hatte nicht mit Chap gerechnet, der dem Vampir Verletzungen beibringt und Magiere selber bringt ihn zur Strecke, zwar mehr als erschöpft doch immerhin. Jedoch glaubt sie nicht daran, dass es ein Vampir war, sondern nur ein irrer Dorfbewohner, wenn auch stark. Diese Begegnung ist der Deckel auf ihren Beschluss, den sie Leesil zuvor noch am Lagerfeuer unterbreitete. Sie will mit dem Spiel aufhören und in der Hafenstadt Miiska sesshaft werden, wo sie durch Beziehungen eine Taverne erstand. Leesil soll dabei mitkommen und gemeinsam will sie für beide ein neues Leben. Leesil widerstrebte dem, hat jedoch keine Wahl, da er nie was ansparte, sondern seine Träume in Wein blockiert.

Doch das Töten des Vampirs bleibt nicht unbemerkt. In Miiska spürt dessen Bruder Rashed den Tod und ist bestürzt, was er auch seinen Begleiter Teesha und Rattenjunge erzählt. Was soll Parko getötet haben? Edwan, Teeshas ehemaliger Mann, hingereichtet einst von Rasheds Herren, soll in seiner Geistform Nachrichten einholen und diese sind für Rashed dann wie ein Faustschlag. Edwan erfährt, dass Magiere nach Miiska will und sofort zählt Rashed 1 und 1 zusammen. Es kann nur bedeuten, dass die Jägerin es abgesehn hat auf alle von ihnen und darauf gilt es sich vorzubereiten, denn Miiska ist ihr Zuhause, ihre Nahrungsquelle und Teeshas Traum. Dies alles soll eine Jägerin nicht von ihnen nehmen!

………………

Also, das liest sich ja etwas wirr soweit, oder? Nun es ist auch wirr, aber positiv gemeint. Wenn man von einem Buch ausgeht, was bei LYX erscheint, ein Cover bietet mit Fledermäusen drauf und als Hauptcharakter eine Frau, na dann kommt man nicht drum herum Vorurteile zu haben. Die hatte ich natürlich, war sofort in meiner Komode und hatte die Schublade mit den Schmuddelvampirbüchern aufgezogen, doch dann dachte ich mir, schau doch nochmal genau hin. Erster Ansatzpunkt war die kurze Inhaltsangabe, in der es schon neue Aspekte gab: Halbelf, Vampirjägerin, Schauspielerei – na das klang schon mal nicht soooo schlecht.

Zweiter Ansatzpunkt, die Verlagsseite von LYX. Die haben da ja so schöne Sortierungen und wo findet man Dhampir gelistet? Genau, bei Fantasy! Hä, Fantasy, keine Urban Fantasy? Na dann schau ich doch mal bei amazon und was les ich da…

spannender Vampirroman ohne Liebesszenen

Gekauft!

Das Buch beginnt schon sehr mysteriös, dunkel und dennoch einfallsreich. Statt Helden bekommt man ein Trickbetrügerpaar geboten, was ohne Reue Dörfer ausnimmt zum Wohle für sich selber und zum Leidwesen abergläubischer Dörfler. Hier wurd ich leicht erinnert an den Film Brothers Grimm und auch die Atmosphäre paste dazu. Als dann Parko eingriff, bekommt das Buch eine andere Wendung, denn von nun an bekommen es Magiere und Leesil mit echten Untoten zu tun. Doch das wirre dabei, es ist alles nur ein großes Missverständnis und beide Seiten, sowohl Magiere und auch die Vampire in Miiska reiben sich daran auf.

Die Charaktere sind im Grunde überschaubar, da man schnell die handelnen Personen kennenlernt. Hauptcharakterin ist Magiere, die das Geheimnis eines Dhampirs trägt, wovon sie selber jedoch erst zum Ende des Buches erfährt. Über ihre Eltern weiß sie nicht viel, nur dass sie durch ihren Vater in einem Dorf lebte, was sie verabscheute und wodurch in ihr der Wunsch keimte, später eben solche Leute auszunehmen. Was sie von ihrem Vater bekam ist ihr Schwert, was magische Fähigkeiten besitzen soll sowie 2 Anhänger. Der Rest ist ein Leben geprägt vom Umherziehen und später dem Treffen mit dem Halbelf Leesil. Dieser war einst ein Assassin im Elfenreich, gelernt von den eigenen Eltern und mit Auftragsmorden die seine Träume plagten. Zusammen mit dem Geschenk seiner Mutter, dem weißen Hund Chap, macht er sich auf dieses Leben hinter sich zu lassen. Er verdingt sich als Taschendieb und dabei trifft er auf Magiere, die er bestehlen will. Beide freunden sich an und beginnen ihr gemeinsames Spiel.

Bei den Vampiren handelt es sich um eine Gruppe, die alle den selben Hintergrund hatten, einen ehemaligen Meister, Corische. Der hatte Rashed einst verwandelt und nahm sich Teesha, die mit Edwan in einer Taverne arbeitete zur Gemahlin und ließ Edwan hinrichten. Da Teesha sich widersetzte ihm zu dienen verwandelte er sie auch. Doch ihr Hass auf ihn blieb und mit den Jahren wurde sie die Vorzeigefrau, die Corische immer haben wollte, mehr sogar, Sie intrigierte hinter seinem Rücken und Rashed tötete Corische. Alle 4 flohen nun, wobei Parko auf der Reise nach Miiska den wilden Weg folgte, sich nicht an vampirische Ehre hielt und frei sein wollte, als Jäger. In Miiska bauten sie ihr Domizil auf und so kreuzten sich die Wege der 2 Gruppierungen des Buches.

Interessant sicherlich noch die Person des Welstiel. Der ältere Mann mit den weißen Schläfen scheint mehr über Magiere zu wissen, als er ihr in Miiska schemenhaft andeutet. Er ist ein mysteriöser Ratgeber, wobei er sich nur karg ausdrückt. Im Epilog wird er sogar als Drahtzieher hinter dem Missverständnis zwischen Magiere und Rashed beschrieben, sogar als Drahtzieher hinter der Taverne in Miiska, die Magiere erstand. Es schreit förmich nach Serie am Ende, denn Fragen über Fragen bleiben auf und werden neu gestellt.

Das Setting ist frei erfunden, wobei es parallelen zu unserer Welt gibt. Das Wort Dhampir stammt ursprünglich aus dem albanischem Volksglauben und so scheint auch die Welt einem balkanähnlichem Fleckchen zu gleichen. das Autorenpaar Hendee läßt jedoch noch Elfen mit einwirken und so ergibt sich eine phantastische Mischung, die mir bisher neu ist.

Das Fazit ist ganz klar: grandios! Die Seiten flogen dahin, denn der Erzählstil ist packend und kurz. Keine langen Ausschweifungen, immer Action und dennoch Hintergrundinfos von fast allen beteiligten. Wer also auf Vampiraction steht ohne das große Gefühlsdrama – zugreifen!

Nachtrag: Das Cover ist im Nachhinein wirklich fehlleitend und auch die Folgebände vermitteln nicht den Eindruck, den das Buch auf mich hatte.Das englische Cover erscheint mir besser.

Verlagsseite zur Reihe

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