Mützen-Varieté
Mützen-Varieté

100 Jahre planlos im All

von am 23. Feb 2011, unter englische Bücher, Rezensionen

Auferstanden von den Toten, um einen Krieg zu beenden!

John Geary, seit 100 Jahren für tot befunden und in dieser Zeit zum Helden in der Alliance geworden. Black Jack Geary, ein Mythos, eine Gallionsfigur und Hauptfigur in Geschichten. Seit 100 Jahren tobt nun schon ein galaktischer Krieg zwischen der Alliance und den Syndics. Beide menschlichen Parteien kämpfen verbissen um jeden Raumsektor, geben nicht nach und zerreiben sich an diesem ewigen Krieg. Nun jedoch soll alles gewendet werden, denn der Alliance ist es durch einen Spion gelungen, an einen Hypernetkey zu kommen, einem Netz, was die Syndics konstruiert hatten, um schnelleren Raumschiffverkehr zu ermöglichen. Mittels dieses Schlüssels soll nun die größte Flotte in den Heimatsektor der Syndics vorstoßen. Doch die Alliance wurde hintergangen, denn die Syndics setzten einen Doppelspion ein und empfingen die ahnungslose Flotte, die Schlacht war lang aber eine einzige Niederlage für die Alliance.

Doch an Bord des Flaggschiffes Dauntless befindet sich ein Mann, der seit 100 Jahren als tot galt, Captain John Geary. Die Flotte fand ihn in einer Überlebenskapsel in einer Nachbargalaxie, wo er seit seinem legendären Kampf im Kälteschlaf war. Nun befindet er sich wieder unter den Lebenden, doch der Krieg, der damals überraschen über die Alliance ausbrach ist immer noch im Gang. Admiral Bloch überträgt ihm die Verantwortung der Flotte und für den Hypernetkey, den Geary nach Hause bringen soll. Bloch und weitere Offiziere sind unterwegs zu Kapitulationsverhandlungen, doch es kommt schlimmer als angenommen. Der leitende Syndicoffizier lässt via Videobotschaft Bloch und die anderen hinrichten und fordert die bedingungslose Aufgabe der Alliance-Flotte. Alle Augen richten sich nun auf Black Jack Geary, ihrem Helden, doch Geary ist nicht das Image was man über ihn aufbaute, er ist es müde in allen Augen Hoffnung zu sehen, die er nicht versprechen kann. Doch er nimmt sich der Aufgabe an und will die gesamte restliche Flotte raus schaffen, weg aus den Syndicterritorien.

Sein Plan ist kühn, statt den Hypernetkey zu nutzen will er auf die alte Methode zurückgreifen und Raumsprungtore nutzen, die die Syndic vernachlässigt haben. So gibt es auch einen abseits ihrer momentanen Stellung, der unbewacht ist. Doch es regen sich auch Widerstände unter den anderen Raumschiffkapitänen der Flotte, die Gearys Rang absprechen, da er diesen posthum bekam und ihm auch mangelnde Erfahrung zur Last machen mit modernen Gegebenheiten, schließlich war er 100 Jahre weg. Sein Plan, langsam in Alliance-Sektoren zu gelangen ist ebenso umstritten, doch Geary setzt sich durch, schließlich übertrug Admiral Bloch ihm das Kommando und dank seines legendären Rufes gibt es fanatische Anhänger unter den Offizieren. Die Flotte soll fliehen, soll das Sprungtor nach Corvus nutzen. Doch Corvus ist immer noch Syndic Gebiet und weit weg von zu Hause, einem Zuhause was Geary nicht mehr kennt. Trotzdem hat er nun die Verantwortung für zig Schiffe und Leben wo er doch erst vor Kurzem selber wieder unter ihnen weilt! Eine waghalsige Reise nimmt ihren Lauf.

………………

Der Auftakt der Lost Fleet Reihe des amerikanischen Autors John G. Hemry, der hier unter dem Pseudonym John Campbell schreibt. Dauntless ordnet sich ein in Military Scifi, also Science Fiction gepaart mit Action. Doch angetrieben wird es nicht durch epische Schlachten im All, sondern durch einen Charakter, der der Mittelpunkt sein wird und eine Vergangenheit aufweist, die es zu ergründen gilt wie die Weiten des Weltalls.

Der Hauptprotagonist John Geary macht das Buch aus, denn er ist der Held der Alliance, da er einst einen Konvoi rettete und ein Schiff hielt, was schon dem Untergang geweiht war. Vor 100 Jahren griffen die Syndics an und Geary war vor Ort. Doch er konnte sich retten, verschwand mit den Trümmern und galt als tot. Posthum bekam er den Rang eines Captains und galt fortan als Paradebeispiel für Mut und Tapferkeit in allen Akademien und Welten der Alliance. Das er jedoch noch am Leben war verdankte er seiner Rettungskapsel, die ihn im Kälteschlaf am Leben hielt, unbemerkt von allen Sensoren trieb er dahin und wurde 100 Jahre später erst durch Zufall wieder gefunden. Doch der Krieg, dessen Ausbruch er miterlebte tobt immer noch, immer noch sterben Menschen auf beiden Seiten aus Gründen die immer noch unbekannt sind, denn warum die Syndics angriffen ist ungeklärt. Dass er nun auch noch nach seiner Wiederbelebung die Verantwortung für die Flotte einnehmen soll, die auszog um den Krieg endgültig zu entscheiden, all dies wird ihm zu Beginn zu viel. Doch er willigt ein denn er meint es wäre nur von kurzer Dauer, bis der Admiral und weitere Führungsoffiziere hingerichtet werden, ab da an ist er Kommandeur. Ab da an ist er der Held, den alle in ihm sehen und die nun auch von ihm Dinge erwarten, die sie erzählt bekamen, Black Jack Geary soll sie retten!

Das Buch baut auch auf ein Setting, was man ganz klar als SciFi einordnen muss. Die Alliance und die Syndics teilen sich die bekannten Sphären des Alls, neben freien Republiken oder der Rift Föderation, die sich der Alliance anschlossen im Kampf gegen die Syndic. Die Alliance könnte man dabei als die Guten bezeichnen, da sie für Demokratie stehen und den Krieg aufgezwungen bekamen. Die Syndic selber treten aggressiv auf und sind vergleichbar mit diktatorischen Regimen, die ihre eigenen Welten unterdrücken. Gefangene kommen ins Arbeitslager oder Forschungseinrichtungen und unter den Alliance Mitgliedern gilt der Tod noch als Erlösung vor einer Gefangennahme. Doch trotz eines epischen Krieges, der Ressourcen und Leben verschlingt, sind beide Seiten nicht gewillt aufzugeben. Doch John Geary muss feststellen, dass einstige Ideale der Alliance im Krieg verschwanden, man sich den Syndics anpasste. So ist er mit seinem Weltbild allein unter Jenen, die den Tod durch Ehre und Stolz gewillt sind einzugehen und dabei ihren Feinden Gleiches mit Gleichem vergelten wollen.

Das es nicht nur politisch zugeht wird spätestens nach der Hinrichtung von Admiral Bloch klar und fortan gilt es eine angeschlagene Flotte heil rauszubekommen und sich neu zu sammeln gegen mögliche Verfolger quer durch feindliche Raumsektoren. Schon die Flucht ist ein persönlicher Verlust für Geary, denn er verliert seinen Neffen, der sich als Captain eines Schiffes opfert, um die Flotte zu retten. Später kommt es dann zu kleineren Gefechten und einer Schlacht gegen Verfolger. Dabei wird es jedoch phasenweise sehr technisch und unspektakulär, denn Campbell schildert diese Schlachten aus der Sicht der Kommandobrücke der Dauntless, wo alles in Vektoren, zeitversetzen Bildern und Videos und Grafiken stattfindet. Man muss bei diesen Schlachten schon viel Phantasie mitbringen, unterstützt durch Serien wie Star Trek oder Star Wars, wobei die Waffen dann doch eher irdischen Geschossen gleichen und keinen Lasern. Doch insgesamt ist das Buch straff geschrieben, erspart einem wochenlangen Reisen durch die Sprungtore oder Aufenthalten in den Raumsektoren auf der Suche nach Verwertbarem für die Flotte. Primär setzt man sich als Leser mit dem Charakter Geary auseinander und macht sich ein Bild von einer Welt weit in der Zukunft.

Diese Welt könnte man wohl eher noch bebildern mit den Alien Filmen, denn auch hier gibt es Marines und Raumschiffe, die einer Enterprise nicht das Wasser reichen können. Technisch ist man zwar weit fortgeschritten, doch ansonsten hat man hier Menschen, die eine Religion leben in der die Ahnen die wichtigste Rolle spielen. Einen Gott hat man wohl abgelegt nach der Kolonisierung des Alls und der Tatsache, die Erde ist nicht die Kreation eines Überirdischen. Das Buch hat durch seine politischen Phasen und menschlichen Moralvorstellungen eine gesunde Mischung aus Action und Tiefgang. Wer mehr erwartet wird noch enttäuscht sein, denn als Einstieg in die Reihe ist es sicherlich nicht zu actionlastig geraten. Hier geht es eben auch um die Figuren, die mit einem Image leben müssen was ihnen nicht gerecht wird und anderen Figuren, die einem heldenhaften Tod und dem Kampf mehr abgewinnen können als die friedliche Beendigung eines Krieges. Am Ende wird man dabei aber belohnt durch einen mögliche 3. Partei im Krieg und diese scheint nicht menschlichen Ursprungs zu sein, was für alle in der Alliance Neuland ist, für alte Helden und junge Offiziere! Lost Fleet ist somit für mich demnächst weiterer Zeitvertreib, den die restlichen 5 Bände warten schon im Regal!

offizielle Seite von John G. Hemry/Jack Campbell

ähnliche Themen:

Share
:, , , , , , , , ,

Antworten

Suchst Du etwas?

Hier Suchbegriff eingeben:

Immer noch nichts gefunden? Hinterlasse einen Kommentar oder kontaktiere mich!

Cheap Domains & Webhosting

Varieté-Werbung