Tiefste Nacht und dunkle Gefahren
von muetzenvariete am 29. Mrz 2011, unter englische Bücher, Rezensionen
Wenn Nacht untergeht, zerfällt Alles
Haarth, eine Welt die einst erschüttert wurde als die Derai aus den Sternen herab traten. Eine Welt die nie mehr so war wie einst und durch die Derai geprägt wurde. Die Derai, Menschen und Kinder ihrer 9 Götter kamen jedoch nicht allein. Sie brachten ihren erbittertsten Feind mit, den Schwarm, den sie seit Ewigkeiten schon bekämpfen. Auch auf Haarth tobt der unendliche Kampf und manifestiert sich im Norden des Landes, am Wall. Der Wall, ein schier undurchdringbares Gebirge, entstand erst durch die Ankunft der Derai und ist die Grenze zwischen Menschen und dem Schwarm.
Die Derai sind unterteilt in 9 Häuser und in der Feste der Winde, hoch im Norden, ist das Haus der Nacht ansässig. Sie sind die Stütze der Allianz und auch ihr Fluch. Vor gut 500 Jahren tobte ein Krieg innerhalb der Derai, Grund war eine verschmähte Liebe. Dabei verloren die Derai ihre wichtigste Waffe, das Goldene Feuer und seitdem sind die Häuser zerstritten und der Bund ist brüchig. Heute jedoch ist mit Tasarion ein Earl of Night an der Spitze, der die Allianz wieder einen will, trotz alter Traditionen und Gesetze, die vor 500 Jahren in Kraft traten. Seine Tochter Malian kennt all die Geschichten und Mythen rund um ihr Haus und um die Derai, doch sie schenkt ihnen nur wenig Beachtung, schließlich lebt man nun seit längerer Zeit schon friedlich ohne Angriffe des Schwarms. Ihr Lieblingsspielplatz ist die Alte Feste, welche vor 500 Jahren Austragungsort für den inneren Machtkampf der Derai war und seit dem still und abgeriegelt schlummert neben der neuen Feste. Als ihr Vater von Grenzbesichtigungen zurückkommt tauchen beim Fest 2 Herolde aus dem Süden auf. Ihre Botschaft ist nur für den Earl bedacht, doch dieser vertröstet sie auf den nächsten Tag, denn das Willkommensfest soll ungestört ablaufen. Was jedoch keiner ahnen wird, diese Nacht wird die letzte glückliche Nacht sein.
Kalan, ein Novize im Tempel der Feste entdeckt die Gefahr als Erster. Er versteckte sich mal wieder vor den Pflichtaufgaben im Tempel und spürt fremde Wesen. Der Schwarm hat sich Zutritt zur Feste Geschafft und schleicht nun blutgierig durch alle Gänge. Kalan bleibt unentdeckt, doch er weiß, dass er alle warnen muss. Sein Weg führt ihn in die alte Feste, getrieben von Jägern stolpert er immer tiefer in die alten Gemäuer. Dort ist auch Malian, die trotz später Stunde in der Bibliothek war und durch einen Warnschrei im Geiste flüchtete hinein in die alte Feste. Zusammen verstecken sie sich und wissen dennoch, dass sie helfen müssen, denn der Schwarm dringt immer weiter in die neue Feste ein und mordet. Malian spürt eine alte Macht, die zu ihr spricht und sie ermutigt ihre schlummernden Kräfte einzusetzen. Das Goldene Feuer ist zurückgekehrt, doch es ist schwach und bedarf Malian. Es gelingt der Heir of Night den Warnruf ihres Hauses zu rufen, in die Gedanken und Träume der Derai hinein. Zugleich gilt es aber einen Dämon des Schwarms aufzuhalten, der die Seelen verschlingt und sich davon nährt. Es gelingt ihn zu vertreiben und auch die Neue Feste kann gehalten werden, doch die Gefahr scheint nicht gebannt. Dem Earl und seiner Honor Captain Asantir wird klar, dass dieser Angriff nur ein Ziel haben konnte, Malian. Doch diese ist verschwunden und es reift die Überlegung, dass sie sich dort aufhält, wo sie immer spielte und wodurch nun der Schwarm eindringen konnte, die Alte Feste!
……………
Auftaktroman zu einer 4-teiligen Reihe The Wall of Night von der Autorin Helen Lowe, die hiermit Neuland betritt und der High Fantasy ihren Stempel aufdrücken möchte. Die Inhaltsbeschreibung oben reicht eigentlich nicht aus, so gepackt ist der Beginn des Buches und so vielschichtig die Geschichte des Schauplatzes Haarth. Schon zu Beginn ist man mit Malian unterwegs in der Alten Feste, deren Geschichte man erst im Laufe des Buches erfährt und mit der Heir of Night, also der Thronerbin, vergnügt man sich in den dunklen Schatten und Gewölben. Danach kommt man zum Fest zur Rückkehr des Earls und schlagartig ändert sich das Tempo. Nun ist man mittendrin in den Geschichten, die Malian sonst nur von ihren Zofen erzählt bekam, dem Schwarm.
Dabei belässt es Lowe aber nicht auf einen Blickwinkel sondern baut früh schon einen wichtigen Nebenpart auf, den um den Novizen Kalan, der fortan Malians Begleiter werden wird und mit ihr Dinge entdeckt, die lange schliefen und nur noch in Wandbehängen Bedeutung hatten. Der Angriff auf die Neue Feste und somit auch auf das Haus der Nacht ist packend, da es um jedes Leben auf der Feste geht und nur mit allerletzter Kraft überlebt wird. Doch das rasante Tempo bleibt erhalten, denn nun gilt es einerseits mit Malian und Kalan in der Alten Feste Dinge zu entdecken, die ihr Leben schlagartig ändern wird und andererseits in der Neuen Feste die Suche nach der Thronerbin. Doch der Weg dahin wird gefüllt mit vielen Details und Informationen rund um die Derai, die 9 Häuser, die Vergangenheit und die strikte Trennung von Magie. Magie, das ist der Schlüssel für all jenes was nun kommen soll.
Magie war einst Bestandteil der Derai, Krieger nutzten Magie und nicht nur die Priester waren in ihr bewandert. Doch seit dem inneren Krieg vor 500 Jahren wurden Priester unterdrückt und mussten getrennt vom normalen Leben innerhalb einer Feste leben. Es wurden Gesetze aufgelegt, wo Magie verteufelt wurde als Ursprung des Bösen was die Allianz erschütterte. Malians Mutter, Nerion aus dem Haus der Seen hatte solche Kräfte und wurde vom alten Earl verbannt und starb im Exil. Tasarion kam darüber nie ganz hinweg und nahm dennoch eine neue Geliebte aus den Winterlanden, Rowan Birchmoon. In ihr sehen die Derai eine Hexe, denn sie verfügt über Magie, unterliegt aber nicht den Gesetzen der Derai. Da Malian nun ebenfalls ihre Kräfte entdeckt, droht ihr ein ähnliches Schicksal wie Nerion. Der ganze Weg dahin wird von Helen Lowe ziemlich arg eng gewoben, denn etliche Kapitel beschäftigen sich nun mit der Erweckung der Kräfte in Malian und auch in Kalan. Beide haben magisches Potential, können in die Traumwelt eindringen und besitzen seherische Kräfte. Was also zunächst als Fantasykost im Stile 0815 anfängt baut sich zunehmend mysteriöser auf.
Daran nicht ganz unschuldig auch die ganze Welt Haarth und ihre Bewohner. Die Derai kamen einst aus den Sternen, worüber man phasenweise spekulieren kann, dass sie durch ein Sternentor kamen, was den Planeten erschütterte und alte Zivilisationen auslöschte. Doch die Derai sind nur ein Volk, denn im Westen in den Winterlanden leben Menschen in Stämmen, die man als Eingeborene von Haarth auslegen könnte. Sie verfügen über Magie und Rowan Birchmoon ist ihre Verkörperung. Dazu noch die Heroldgilde und weitere Völker im Süden. Die mysteriösen Wesen bleiben jedoch der Schwarm oder auch Darkswarm. Sie sind die alten Feinde der Derai und ihr Erscheinungsbild bleibt unklar, das sie in Rüstungen auftreten, doch was sich hinter den Visieren befindet bleibt im Dunkeln. Sie nutzen Dämonen, Were Hounds und Traumwürmer und alles was mit ihnen in Verbindung gebracht wird hat reichlich Potential für die kommenden Bücher. Alles wirkt von Seite 1 bis zum letzten Satz gepackt mit Action, Geschichte, Dunkelheit, Magie und Mysterien.
Die Hauptcharakterin ist Malian of Night, mit der man nun aufbricht ihre Kräfte zu entfachen und gegen den Schwarm zu treten. Begleitet wird sie von Kalan, der einst träumte ein Ritter zu werden doch aufgrund seiner magischen Fähigkeiten in den Tempel musste. Er ist ein wichtiger Charakter, denn auch er ist auserkoren Malian zu unterstützen. Hinzu kommen ihre engsten Freunde in der Feste der Winde, die Haushälterin Nhairin, der Barde Haimyr aus dem Süden, der Honor Captain Asantir und die Herolde Jehane Mor und Tarathan of Ar. Eine Vielzahl an Personen, die alle mehr oder weniger Bedeutung haben. Dies macht das Buch so vielschichtig, denn alle haben ihre Kapitel und Stellen. Doch hinzu kommen noch alte Helden und Götter in der Traumwelt. Das alles aufzuzählen würde das ganze Buch darlegen. Fakt ist, Helen Lowe geizt nicht mit Charakteren und Informationen im Auftaktroman und genau so wünscht man es sich doch.
Zuerst war ich stark erinnert an einen Tad Williams und seiner Osten Ard Reihe, denn auch da stand ein Jugendlicher im Mittelpunkt im Kampf gegen das Böse. So auch hier mit Malian, doch je weiter man las umso mehr wurde das Buch anders. Es ist kein Jugendbuch, nein dazu hat es zu viel Komplexität, es ist ein Buch für alle Freunde der Phantastik, die durchwoben ist von viel Mysterien und Ungereimtheiten, welche sich in den nächsten Büchern hoffentlich aufklären. Es ist definitiv kein langweiliges Buch, sondern nimmt einen mit in eine Welt, die nie zur Ruhe kommt und einem Krieg, der schon seit Ewigkeiten tobt. Es ist düster, dunkel, schwarz und schattig, eben wie die Nacht!
offizielle Seite von Helen Lowe
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1 Kommentare für diesen Beitrag
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“The Heir of Night” is Reviewed Again—In German:) » Helen Lowe
April 11th, 2011 on 07:05[...] So I figure the review is probably on the plus side. But if you can read German then you can find out—and possibly report back — here. [...]






Januar 24th, 2012 on 21:17
Im Sommer erscheint bei Blanvalet due deutsche Variante, Glückwunsch Helen!
Erbin der Nacht