Mützen-Varieté
Mützen-Varieté

Tritt in die Eier!

von am 25. Jun 2011, unter Kino

Ein junges Mädchen wird von ihrem Stiefvater in die Nervenheilanstalt Lennox House gebracht. Sie hat nach dem Tod versucht ihre Schwester vor dem Stiefvater zu beschützen, da dieser aus dem Testament ausgeschlossen war und beide Mädchen begünstigt wurden. Doch in der Nacht als der Mann sich an den beiden vergehen wollte erschoss sie die Schwester und wurde daraufhin festgenommen. Nun soll sie in der Nervenanstalt lobotomiert werden, um sie somit für immer unheilbar zu machen und aus dem Weg zu schaffen. Dafür bestach der Mann den leitenden Pfleger, der die erforderlichen Unterlagen fälschen will. Das Mädchen stellt jedoch fest, in der Anstalt sind weitere junge Frauen und Mädchen untergebracht und allen droht das gleiche Schicksal.

Am Tag ihrer Lobotomie und kurz vor dem Eindringen der Nadel durchlebt das Mädchen die letzten Tage noch einmal von vorn, doch diesmal ist die Anstalt ein Vergnügungshaus, wo die Mädchen tanzen sollen für Kunden. Geleitet wird das Haus von Blue Jones und die Mädchen erlernen ihre Tänze von Madam Gorski. Das Mädchen wird vorgestellt als Babydoll und von Rocket im Haus herumgeführt. Rockets Schwester Sweet Pea misstraut Babydoll, hält sie für schwach, doch rocket glaub an sie. Als sie das 1. Mal tanzen soll gleitet Babydoll hinab in eine eigene Welt. Begleitet von Musik steht sie plötzlich im Schneesturm in einem Tempel in Asien. Drinnen erwartet sie ein Meister und fragt sie was sie sucht. Babydoll antwortet nach Zögern sie suche die Freiheit und der Meister zeigt ihr die Mittel zur Freiheit, ein Schwert und eine Pistole. Wenn sie diese 2 Dinge annimmt, sei sie bereit für die Suche nach der Freiheit. Dazu benötige sie 5 Dinge: eine Karte, Feuer, ein Messer, ein Schlüssel und die Lösung eines Rätsels, was sich zur rechten Zeit offenbaren wird. Die Suche selber beginnt mit einem Kampf gegen 3 Samurai!

Dieser Tanz und die Tatsache, dass Babydoll Rocket vor dem Übergriff des Kochs rettete lässt in allen den Glauben an Babydolls Plan von der Flucht erblühen. Gemeinsam mit Rocket, Sweat Pea, Blondie und Amber begeben sie sich nun auf die Suche nach den 5 Dingen, die sie alle im Tanzhaus finden werden. Doch Blue Jones, so verzückt er auch von den Auftritten Babydolls ist, steht ihnen im Weg und er herrscht über das Haus und die Mädchen. Jede Aufgabe erfordert vollsten Einsatz und den Kampf gegen schier unmögliche Gegner, ein Kampf um Leben und Freiheit!

……………

Alice in Wonderland with machine guns

So beschreibt Zack Snyder seinen Film, Sucker Punch. Mit 300 und Watchmen wurde er berühmt und mit diesem Film hier geht er an die Grenzen der Vorstellungskraft und fordert den Zuschauer auf, seinen Verstand gleichzeitig ein und aus zu schalten. Es ist ein Trip hinein in die menschliche Psyche, die sich abschottet von den Grausamkeiten der Realität und hinab driftet in eine Phantasie, in der man die Realität überwindet und sich einen Ausweg sucht. Statt einem weißen Kaninchen, einem Uhrmacher und einer Herz-Königin gibt es hier Zombies, Drachen, Orks und Roboter und die einzige Waffe dagegen sind gehörig viel Munition und ein Schwert!

Der Film beginnt in den 60er Jahren und den Geschehnissen des jungen Mädchens, was später Babydoll sein wird. Ihre Einweisung in die Nervenheilanstalt und die später stattfindende Lobotomie sind im Grunde die einzige Zeitspanne des Films, was dann jedoch geschieht, ist ein Schwenk zurück und eine Achterbahnfahrt durch den Traum von Babydoll. Kurz bevor alles zu Ende ist spult Snyder zurück und steigert den Farbpegel für das Bühnenstück “5 Tage Freudenhaus”. Was vorher düster wirkte und grau, halt passend zur Thematik eines Irrenhauses, wird nun lebhafter und bunter und ist dennoch nur ein Abbild der Geschehnisse in der Anstalt. Man schaut quasi alles durch die Augen des Mädchens neu an, wie durch ein Kaleidoskop. Von nun an beginnt der eigentliche Film, der Traum im Alptraum und eine Reise hinab in Phantasien.

Als neue Tänzerin begleitet man nun Babydoll und ihre 4 Freunde Rocket, deren Schwester Sweet Pea, Blondie und Amber und ihrer Hoffnung von Flucht, getrieben durch Babydolls Tanzkünste. Diese Tänze sieht man nie, denn sie sind der Anfang von waghalsigen Missionen die alle sich der Aufgabe thematisch anpassen. Missionen erforderlich für die Flucht, denn durch sie erlangen die 5 die 5 Gegenstände, die Babydoll erreichen muss um das Ziel zu verwirklichen. Eine Karte wird zur Jagd durch Schützengräben im 1. Weltkrieg. Doch Snyder wäre nicht Snyder wenn er dies plump ablaufen lassen würde. Nein hier trifft man in einer Steampunk-Welt auf untote deutsche Soldaten, angetrieben durch Dampf. Das Feuer wird zum Kampf gegen orkähnliche Wesen und einen wütenden Drachen. Das Messer zum Kampf gegen Roboter, die eine Bombe verteidigen die Messer heißt. So sind diese Aufgaben geprägt und noch bunter und prächtiger als alle anderen Elemente des Filmes. Jedes Mal wenn Babydoll tanzt kann man gewiss sein, nun geht der Spaß erst richtig los.

Unterstützt von Brachial-Elektro-Rock Musik kommt es zu Bildorgien, die angeheizt werden durch sexy Outfits, Waffen, Monster, Landschaften und Kamerafahrten. Angereichert durch die volle Brandseite von Computereffekten summiert sich jede dieser Phantasien zu einem Highlight nach dem anderen. Dennoch weiß man als Zuschauer, dies ist alles nur im Unterbewusstsein von Babydoll, doch man liebt es und genießt jede Sekunde diese Bilder.

Der Cast ist sehr gut ausgesucht worden. Die 5 Heldinnen sind alle ein Augenschmaus, mag chauvinistisch klingen, doch mal ehrlich, daraufhin legte es Zack Snyder doch an! Emily Browning als Babydoll, Vanessa Hudgens als Blondie, Jamie Chung als Amber, Abby Cornish als Sweet Pea und Jena Malone als Rocket sind der Blickfang und diejenigen, die den fiesen Typen gehörig in die Eier treten. Angetrieben durch Scott Glenn als Meister und Anführer begeben sie sich hinein in die waghalsigen Missionen. Oscar Isaac verkörpert den zwielichtigen Pfleger und Tanzladenbesitzer Blue Jones, Carla Gugino die Therapeutin und Tanzlehrerin Vera Gorski. Dies sind im Wesentlichen schon alle wichtigen Charaktere und da das Mädchen in eine Phantasiewelt abdriftet verkörpern alle 2 Rollen.

Sucker Punch braucht im Grunde keine Story um zu wirken, doch der Film hat eine, eine tiefgründige sogar. Das es Schwächen hat ist nicht zu leugnen, doch diese werden wettgemacht durch 3 Erzähl und Stilebenen und durch Effekte und Tricks, die einen beim Schauen den Mund wässrig machen. Eine gelungene Komposition aus Musik, Bildern und Schauspielern und einem Ende, was man so nicht wünschte, was aber zum Rahmen passt. Ein Trip mit Tempo 200 gegen die Wand!

offizielle Seite zu Sucker Punch

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