Seelenraub
von muetzenvariete am 12. Aug 2011, unter englische Bücher, Rezensionen
Was wärst du bereit zu zahlen für Magie?
Eine Mutter sucht mit ihrer Tochter eine Frau auf, von der es heißt sie sei eine Hexe und besitzt die Gabe, Menschen zu heilen. Ihr neugeborenes Kind hat die Grüne Pest und die Frau ist ihre einzige Hoffnung. Die Frau empfängt sie, obwohl sie sich zurückzog und den Tod schon spüren kann, denn jeder Einsatz von Magie nimmt ihr ein Stück ihrer Lebensenergie und mit über 30 Jahren krallt die Leichenhand schon ihr Herz. Sie weiß das die Hilfe nur bedingt wär, denn die Mutter ist mittellos und der Tod des Kindes wäre ein Segen, doch sie bringt ihre letzten Kräfte auf für das Baby, denn in den Augen der Tochter erkennt sie die Gabe und möglichweise ist dies ein letzter Akt, dem Mädchen einen Weg aufzuzeigen.
Jahre später klopft das Mädchen an die Tür des Magisters Ethanus, der sich im Wald zurückgezogen hat und die Welt draußen lässt. Sie bittet ihn sich ihrer anzunehmen, sie auszubilden in Magie. Doch Ethanus lehnt ab, denn ein Mädchen oder Frau komme nicht in Frage für die Magie, da sie Menschen in den Wahnsinn treiben kann und nur Männer diesem Wahn Einhalt gebieten könnten. Doch das Mädchen, Kamala, ist stur und hartnäckig und dies lässt den Magister nachdenken, denn möglicherweise hat er vor seiner Tür einen Lehrling, der die Welt der Magister verändern könnte. Er nimmt sich ihrer an und unterrichtet sie die kommenden Jahre in jenen Künsten, die sonst nur Männer mit der Gabe erlernen. Schon bald hat Kamala solche Fortschritte gemacht, dass sie bereit für die letzte Prüfung ist, die Translatio. In dieser muss Kamala ihren Konjunkten finden und dies überleben. Dadurch schöpft sie ihre Energie nicht von ihrem Seelenfeuer, sondern von einer ihr unbekannten Person, sie bedient sich einer fremden Seele, die für sie die Energie aufbringt, die sie braucht um Magie zu weben. Kamala gelingt dies und kann sich nun Magister nennen, als erste Frau überhaupt. Doch Ethanus rät ihr dies geheim zu lassen, denn die männliche Domäne würde sie nie akzeptieren.
Zur gleichen Zeit ruft der Magister Royal Ramirus vom Hochkönig Danton Aurelius mehrere Magister zu sich. Der jüngste Sohn des Königs, Prinz Andovan, ist seit Wochen krank und leidet unter einer rätselhaften Krankheit. Kein Arzt konnte Linderung schaffen und Ramirus will die Magister bitten, sich dem Fall anzunehmen. Aus dem Süden vom einstigen Feind Dantons kommt Magister Colivar und untersucht Andovan. Er entdeckt was Ramirus schon befürchtete, der Prinz hat die Schwindsucht und dies kann nur bedeuten, dass er der Konjunkt eines Magisters ist, da sein Seelenfeuer schwächer wird. Doch wer wäre so vermessen den Sohn des Hochkönigs anzuzapfen und wenn, geschah dies bewusst? Doch dies soll nicht die einzige Frage und Gefahr sein, die das Königreich bedroht, denn schon bald werden Kräfte erweckt, die lange verschollen galten!
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Die Amerikanerin Celia S. Friedman bestreitet mit ihrer aktuellen Reihe, The Magister Trilogy, jenen Weg, den sie schon mit ihrer Kaltfeuer Reihe angefangen hat. Düstere Fantasy gepaart mit einem Setting, das sich abhebt von dem Einheitsbrei des Genres und den Leser von Beginn an in seinen Bann zieht.
Die Welt für Feast of Souls ist eine fiktive Welt, die für das Buch wie geschaffen scheint. Eine raue Welt, die sich das 2. Zeitalter der Könige nennt. Im 1. Zeitalter kam es zu einem großen Krieg, bei dem die Menschen Opfer von Dämonen wurden, den Seelenfressern. Diese ernährten sich von den Menschen und drängten sie immer mehr zurück. Doch die letzten magisch Begabten Hexen vereinten Helden und schufen ein Herr, was im letzten verzweifelten Versuch den Kampf suchte. Immer weiter wurden die Seelenfresser in den kalten Norden verdrängt und mit Hilfe der Götter wurde eine Barriere erschaffen, die Speere. Diese Zeit wurde das Dunkle Zeitalter genannt und erst nach und nach erholten sich die Menschen. Nun ist das 2. Zeitalter und die einstigen Erzählungen sind nur noch Mythen und Phantasien in den Augen vieler Herrscher. Nur im Norden, an der Grenze, wo die Protectoren herrschen, da sind diese Erzählungen Bestandteil des Glaubens.
Im 2. Zeitalter regiert der Hochkönig Danton Aurelius über etliche Länder und hat Abkommen mit Grenzländern. Beraten werden jene Herrscher von Magistern, den Zauberern. Magie ist Bestandteil der Welt. Durch Athra Quellen beziehen Begabte ihre Kraft, doch nur Magister nutzen dabei nicht ihre eigene. Einfache Begabte, wie Hexen, müssen ihre Magie aus ihrer eigenen Seele beziehen, dem Seelenfeuer. Je mehr Hexen zaubern, sei es zum Guten wie Heilung oder für Taten wie Aussehen und Tricks, umso mehr verbrauchen sie ihr eigenes Seelenfeuer und dies fordert ihr eigenes Leben. Eine Hexe kann somit ihr ganzes Leben schnell aufbrauchen, wenn sie täglich zaubert. Die höchste Stufe der Begabten sind die Magister und die sind bisher ausschließlich männlich. Ein Magister verbindet sich mit einer fremden Quelle, einem Konjunkten. Diesen kennt er nicht und weiß auch nichts über ihn, nur dessen Seelenfeuer speist seine Zauberei. Dadurch werden Magister unsterblich, zumindest für den natürlichen Tod. Ist ein Konjunkt aufgebraucht kann ein Magister durch eine Translatio eine neue Quelle suchen.
Diese 2 Aspekte, die Magie und die Mythen über die Seelenfresser sind nun Bestandteil für den Auftakt der Reihe. Die Magie wird verkörpert durch Kamala, die als Kind von ihrer Mutter verkauft wurde, als Hure Geld verdienen musste und ihre Gabe, das Sehen, nun weiterentwickeln will. Sie will ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen und das werden, was zuvor noch keine Frau wurde, ein Magister. Beharrlich und zielgerichtet begibt sie sich in die Lehren des zurückgezogenen Magisters Ethanus und wird letztlich sogar eine Magister. Doch sie will mehr, will die Welt, in der sie so schlecht behandelt wurde verbessern, erneuern und sie will das, was Ethanus ihr verbat, ihren Konjunkten kennen. Dieser ist der Prinz Andovan und der flieht mit Hilfe des Magisters Colivar aus dem Palast, denn nur ein vorgetäuschter Tod kann ihm von seinem Vater befreien, der ihn um jeden Preis heilen will, wo es doch bei der Schindsucht keine Heilung gibt. Ausgestattet mit einem Zauberspruch sucht er nun nach der Quelle seines Leidens, dem Magister der sein Seelenfeuer verbraucht.
Die Mythen werden verkörpert durch das Auftauchen neuer Seelenfresser. In den Freien Landen der Hexenkönigin Sideria kommt es zum endgültigen Beweis, dass jene schrecklichen Dämonen wieder aufgetaucht sind. Auf ihrer Spur ist Colivar, denn er birgt ein Geheimnis und ein Alter, was weit zurück reicht in die Anfänge des 1. Magisters, nach dem Dunklen Zeitalter. Somit bestreitet Feast of Souls mehrere Wege und lässt den Leser mehrere Stränge durchleben, die nebeneinander verlaufen. Zunächst nur 2 werden es im Laufe des Buches weitere Stränge, denn neben Kamal und Andovan gesellen sich die Ereignisse von der Königin Gwynofar und Colivar hinzu. Spannend sind alle beschrieben, denn alle sind düster, grausam und trostlos beschrieben, erleben alle Handelnden doch Rückschläge und immer mehr Anzeichen für das Böse, was aufzieht. Dieses wird auch mit ausgelöst durch den neuen Magister Royal am Hofe des Hochkönigs, denn nach dem Tode von Andovan verbannte Dantus alle Magister. Nun hat er einen neuen, Kostas und jener scheint für das Auftauchen der Seelenfresser verantwortlich zu sein.
Das Buch überraschte mich, obwohl ich es hätte nicht sein dürfen. Von Friedman kannte ich schon Teile der Kaltfeuer Reihe und auch jene Serie konnte überzeugen durch die düstere Fantasy. Hier in Feast of Souls gelingt es der Autorin erneut, denn ohne viel Aufheben wird der Spannungsbogen schnell gespannt und scheint auch nicht mehr abzufallen. Die Charaktere sind alle sehr gut beschrieben, wenn auch mysteriös. Sie alle vereint die Geschichte und das Setting, denn alle spielen eine Rolle und dienen dem Zwecke. Die Idee Magie einen Preis zukommen zu lassen, sodass nur Magister davon befreit sind und letztlich doch das Verkörpern, was die Seelenfresser im großen Stile betreiben, nämlich das Stillen an fremden Seelen, ist erfrischend. Statt wildrumzaubernd muss jeder mit der Gabe abwiegen was er bereit ist einzusetzen. Hexen und Hexer einen Teil ihrer Lebensspanne und Magister Teile der fremden Seele, die schnell aufgebraucht werden kann und jede Translatio sie schutzlos ausliefert. Auf jeden Fall ein Buch was Lust auf den 2. Band macht und mich schon Ausschau halten lässt nach der Taschenbuchversion des 3.
offizielle Seite von C.S. Friedman





